Muecht/Strukturen – Architektur a Gesellschaft am Kino
Talking Pictures
- Lieu :
- Centre national de l'audiovisuel - 1b, rue du Centenaire, 3475 Dudelange
- Dates :
- Le 03.10.2026 à 10:00
(Ce texte n'existe pas en français.)
Häuser, Großsiedlungen, Stadtviertel, Ghettos: Architektur ist im Film mehr als bloße Kulisse: Sie strukturiert die Wahrnehmung, organisiert die Bewegungsräume der Figuren und macht gesellschaftliche Machtverhältnisse sichtbar. Vom expressionistischen Stummfilm (Metropolis, 1927) bis zum zeitgenössischen Autorenkino (Parasite, 2019) fungieren gebaute Räume als Träger sozialer Bedeutungen: Sie verweisen auf Hierarchie und Kontrolle, auf Zugehörigkeit und Ausschluss, auf Macht und Ohnmacht.
Die Konferenz geht der Frage nach, wie das Kino architektonische Strukturen – vom herrschaftlichen Landsitz über den urbanen Appartementblock bis zum segregierten Stadtviertel – einsetzt, um soziale Ungleichheit ästhetisch und narrativ zu artikulieren. Filmische Räume bilden gesellschaftliche Ordnungen dabei nicht nur ab; sie produzieren und vermitteln diese vielmehr als erfahrbare Ordnungen, indem sie durch Inszenierung, Bildkomposition und narrative Struktur semantisch aufgeladen werden.
Die räumliche Logik von Oben und Unten, Zentrum und Peripherie, Inklusion und Exklusion durchzieht die Filmgeschichte dwie ein roter Fade. Sie reicht von Jacques Tatis satirischer Glasarchitektur in Playtime (1967) bis zu den hermetisch abgeschotteten Ebenen in Bong Joon-hos Parasite (2019), in dem das Treppenhaus zur Grenzlinie zwischen den Klassen wird. Dieselbe vertikale Logik prägt auch Downton Abbey (Julian Fellowes, ab 2010): Der herrschaftliche Familiensitz wird zur architektonischen Materialisierung einer ständischen Ordnung, deren Trennung zwischen upstairs und downstairs die Klassengesellschaft in gebaute Form übersetzt. Andere filmische Beispiele verdeutlichen die Breite des Themas: Die Plattenbausiedlung in Mathieu Kassovitz’ La Haine (1995) macht soziale Marginalisierung als räumliche Erfahrung lesbar, und in Spike Lees Do the Right Thing(1989) verdichtet sich ein Straßenblock in Brooklyn zum Brennpunkt ethnischer und sozialer Spannungen.
Anhand ausgewählter Filmausschnitte führt der Vortrag durch diese Topographien der Macht und zeigt, wie gebaute Räume im Kino zu Metaphern gesellschaftlicher Ordnungen werden.
Conférenciers : Julia Rock, Yves Steichen
Langue : LU avec interprétation simultanée en français
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